Gestaltungskraft und Größe

- Aus: "Bei uns", einer Beilage der Esslinger Zeitung vom 21.11.2008
Um es vorweg zu nehmen: Der Oratorienverein Plochingen knüpft an seine großen Zeiten vergangener Jahre an. Mit dem Oratorium "Die letzten Dinge" von dem romantischen Komponisten Louis Spohr wurden die zahlreichen Zuhörer in der katholischen Kirche St. Konrad in Plochingen überrascht von der stimmlichen Gestaltungskraft und Kompetenz dieses Chors, die alle Fragen nach "jungem Nachwuchs" in den Hintergrund stellt. Exakte Durchführung der Partitur, feine Dynamik in allen Stufen, großes Einfühlungsvermögen in die textlichen Inhalte ließen aufhorchen und das Werk zu einem umfassenden, beglückenden Erlebnis werden. Die Chormitglieder wussten, wovon sie sangen: Das war Verkündigung, nicht nur ein gekonntes Absingen eines Notenblatts, eine Interpretation auf der Suche nach Wahrheit. Gefühle wurden geweckt, ein stiller Frieden bemächtigte sich der Herzen der gebannten Zuhörer, zum Beispiel beim "Heilig, heilig", als der Chor der Vorgabe des Tenors Julius Pfeifer in unerhörter Sanftheit antwortete. Glänzend disponiert präsentierte sich das Solistenquartett, wobei Johanna Zimmer mit ihrem unbestechlich sternenklaren Sopran verzauberte. Aber auch Kathrin Koch, Alt, konnte ihren Part mit Glanz und Wärme absolvieren, während der Bassist Volker Spiegel mit seinem markantem Stimmvolumen der Aufführung eine besondere Note verlieh.
Julius Pfeifer aber brachte mit der ihm eigenen vornehmen Zurückhaltung seine ausdrucksstarke Stimme ein, etwa im Rezitativ "Die Stunde des Gerichts". Eingerahmt und untermauert wurde das Konzert von dem Ensemble Sinfonia 02, das Konzertmeister Mathias Neundorf in bewährter Weise vorbereitet hatte.
Auffallend war dabei das hochmusikalische auf einander Hören der Orchestergruppen, was trotz der projektorientierten Zusammensetzung zu großem harmonischem Miteinander führte. Heidrun Speck gelang dabei ein sicheres Dirigat, was angesichts der kurzen gemeinsamen Probezeit mit Chor, Soli und Orchester nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Späte Rosen und anhaltender Beifall.