Oratorienverein Plochingen

e.V. 1922

Gestaltungskraft und Größe - Louis Spohr: Die letzten Dinge

Um es vorweg zu nehmen: Der Oratorienverein Plochin­gen knüpft an seine großen Zeiten vergangener Jahre an. Mit dem Oratorium "Die letz­ten Dinge" von dem roman­tischen Komponisten Louis Spohr wurden die zahlreichen Zuhörer in der katholischen Kirche St. Konrad in Plochin­gen überrascht von der stimm­lichen Gestaltungskraft und Kompetenz dieses Chors, die alle Fragen nach "jungem Nachwuchs" in den Hinter­grund stellt. Exakte Durchführung der Partitur, feine Dyna­mik in allen Stufen, großes Einfühlungsvermögen in die textlichen Inhalte ließen auf­horchen und das Werk zu einem umfassenden, beglü­ckenden Erlebnis werden. Die Chormitglieder wussten, wo­von sie sangen: Das war Ver­kündigung, nicht nur ein ge­konntes Absingen eines No­tenblatts, eine Interpretation auf der Suche nach Wahrheit. Gefühle wurden geweckt, ein stiller Frieden bemächtigte sich der Herzen der gebannten Zuhörer, zum Beispiel beim "Heilig, heilig", als der Chor der Vorgabe des Tenors Julius Pfeifer in unerhörter Sanftheit antwortete. Glänzend dispo­niert präsentierte sich das Solistenquartett, wobei Johanna Zimmer mit ihrem unbestech­lich sternenklaren Sopran ver­zauberte. Aber auch Kathrin Koch, Alt, konnte ihren Part mit Glanz und Wärme absol­vieren, während der Bassist Volker Spiegel mit seinem markantem Stimmvolumen der Aufführung eine besonde­re Note verlieh.

Julius Pfeifer aber brachte mit der ihm eigenen vornehmen Zurückhaltung seine aus­drucksstarke Stimme ein, et­wa im Rezitativ "Die Stunde des Gerichts". Eingerahmt und untermauert wurde das Konzert von dem Ensemble Sinfonia 02, das Konzertmeis­ter Mathias Neundorf in be­währter Weise vorbereitet hatte.

Auffallend war dabei das hochmusikalische auf einan­der Hören der Orchestergrup­pen, was trotz der projektori­entierten Zusammensetzung zu großem harmonischem Mit­einander führte. Heidrun Speck gelang dabei ein si­cheres Dirigat, was angesichts der kurzen gemeinsamen Pro­bezeit mit Chor, Soli und Or­chester nicht hoch genug ein­geschätzt werden kann. Späte Ro­sen und anhaltender Beifall.