Oratorienverein Plochingen

e.V. 1922

Herbstkonzert 2009 - Plastische Lautmalereien und paradiesische Klänge

Oratorienverein und Chor des Gymnasiums führen Oratorium „Die Schöpfung“ auf

Der Oratorienverein und der Chor des Gymnasiums wagten sich an ein großes Projekt: Lange wurde geprobt, um am vergangenen Samstag den zahlreichen Zuhörern in der Stadthalle „Die Schöpfung“, ein von Joseph von Haydn komponiertes Oratorium zu präsentieren. Das Wagnis gelang und wurde von den Zuhörern mit großem Beifall bedacht.

Für Joseph Haydn selbst war die dreijährige Arbeit am Oratorium „Die Schöpfung“ nicht nur eine kompositorische Herausforderung, sondern auch ein religiöser Akt. „Nie war ich so fromm wie zu dieser Zeit“ offenbarte er seinem Gönner und Librettisten Baron van Swieten. Diesem Meisterwerk der Oratorienliteratur widmete sich der Oratorienverein Plochingen am Abend des Reformationstages. Mit ins Boot hatte man den von Burkhard Wolf vorbereiteten Chor des Gymnasiums Plochingen genommen. Eine gute Entscheidung - die jungen, unverbrauchten Stimmen gaben dem choristischen Großaufgebot einen zusätzlichen Hauch der Frische. Die Popularität der „Schöpfung“ ist auch heute, gut 200 Jahre nach ihrer Entstehung, ungebrochen: Die Plochinger Stadthalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Eingängige Melodik und meisterhafte Verarbeitung des Materials schlugen die Zuhörer gleich beim Erklingen der ersten Takte in Bann.

Haydn setzte die von Lindley nach John Miltons religiösem Opus „Paradise lost“ geschriebene Textvorlage in sehr plastischer Weise in ein beeindruckendes Tongemälde um. Von der chaotischen Vision des „Nichts“ in der Einleitung über die Entstehung der Erde und Gestirne, den naiven Lautmalereien, welche die Erschaffung der lebendigen Kreaturen fast wie in einem Bilderbuch präsentieren, bis hin zum paradiesischen Leben von Adam und Eva wird die Schöpfung der Welt nachgezeichnet. Dabei berührt die geglückte Verbindung von Einfachheit und Erhabenheit in der musikalischen Ausdeutung den Menschen auch heute noch zutiefst.

Zwar wird das Geschehen maßgeblich von den Gesangssolisten bestimmt – der Chor hatte jedoch in der kommentierenden Rolle der „himmlischen Heerscharen“ genügend Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Heidrun Speck führte mit klarem Dirigat und die Choristen folgten ihr willig und motiviert. Dabei sorgte die Dominanz der Frauenstimmen für einen hell gefärbten Klang, spannungsvolles „sotto voce“ kontrastierte mit gewaltigem Forte und die Konturen der dramatischen Elemente waren klar herausgearbeitet. Da störte es nur wenig, dass angesichts der recht zügigen Tempi nicht jede Koloratur gestochen scharf kam und in einigen Partien die Transparenz des Stimmgeflechts nicht das Optimum erreichte. Sehr durchsichtig musizierte hingegen die von Konzertmeister Mathias Neundorf angeführte „Sinfonia 02“, die immer wieder über klarem Streichergrund herrliche Bläsersoli aufleuchten ließ. Ein weiterer Pluspunkt der Aufführung war das Solistenterzett, allen voran der Bassist Bernhard Springler, der mit klarer Deklamation und angenehm timbrierter Stimme die Rolle des Erzengels Raphael ausfüllte und im dritten Teil als Adam reizvolle Dialoge mit seiner geliebten Eva führte. Diese wurde repräsentiert durch die ausdrucksstarke Stimme der Sopranistin Anja Petersen, welche schon zuvor als Gabriel lyrische Qualitäten gezeigt hatte. Dritter im Bunde war Johannes Kaleschke, der als Uriel zwar nicht immer in tenoralem Glanz schwelgte, jedoch durch Prägnanz und eine gut geführte, schlanke Stimme überzeugte.