Oratorienverein Plochingen

e.V. 1922

Herbstkonzert 2010 - Mit Trompetenglanz und vokalem Wohllaut

Oratorienverein und Kammerorchester begeistern mit Kompositionen von Händel und Mozart

Bei der Aufführung in Plochingens Stadthalle überraschte der Oratorienverein Plochingen und das Plochinger Kammerorchester sein Publikum mit unbekannten Werken: Georg Friedrich Händels "Dettinger Te Deum" und Mozarts "Davide penitente" stehen neben den großen Mess- und Oratorienvertonungen eher in der zweiten Reihe. Ungeachtet dessen hörte man unter der Leitung von Heidrun Speck gut ausgearbeitete Wiedergaben, bei denen das Genie der beiden Großmeister der Musik in jedem Takt durchschimmerte.

Speck motivierte ihren Chor und das über weite Strecken tonschön und intonationssicher musizierende Kammerorchester Plochingen mit klarem Dirigat zu einer überzeugenden Leistung. Die Melodik der Arien und die großflächigen Chorsätze wirkten strahlend, waren von geradezu herrschaftlicher Größe und Würde. Dies ist begründet im Anlass zur Komposition. Im Österreichischen Erbfolgekrieg war das bei Aschaffenburg am Main liegende Dettingen Schauplatz einer Schlacht, in der England die französischen Truppen vernichtend schlug. Händel erhielt den Auftrag, zur glücklichen Heimkehr des siegreichen Königs eine Jubelmusik zu schreiben. Dieser Jubel klang in Plochingen vornehmlich aus der kraftvoll singenden Phalanx der Tenöre und Bässe. Die Frauenstimmen hielten zwar tapfer mit, hatten aber gelegentlich Mühe beim Erklimmen der Höhenlagen. Ein Sonderlob verdiente sich die Trompetengruppe mit präzisen Tonattacken und strahlendem Blechbläserglanz sowie der Bassist Daniel Raschinsky, der seinen Part mit viriler Sonorität absolvierte. Petra Labitzke (Sopran) und der Tenor Wolfgang Frisch agierten auf ähnlich hohem Niveau, während die Altstimme von Jeschi Paul zwar angenehm gefärbt ist, jedoch für eine Oratorienpartie in puncto Strahlkraft nicht das Optimum erreichte.

In Wolfgang Amadeus Mozarts "Davide penitente" bereicherte die Sopranistin Johanna Zimmer das Solistenensemble. Sie ließ nicht nur in der Arie "Lungi le cure ingrate" die Koloraturen mit frischer Stimme perlen – im Duett mit ihrer Kollegin Labitzke machte sie "Sorgi, o Signore" zu einem Höhepunkt der Aufführung. Dabei überraschte hier in den anderen Teilen die Qualität der Mozart’schen Musik. Eigentlich verwunderlich, denn die Komposition war ein Schnellschuss: Aus Zeitmangel schrieb Mozart bei sich selber ab, verwendete Teile der c-Moll-Messe mit neuem Text und fügte Auszüge aus kleineren kirchenmusikalischen Werken an. Dazu komponierte er flugs ein paar Arien und schon war das Auftragswerk für ein Benefizkonzert der Wiener Tonkünstler-Sozietät fertig. Diese kompositorische Ökonomie beeinträchtigte die Wirkung der Plochinger Wiedergabe keineswegs: Chor, Orchester und Solisten setzten Mozarts Tonspuren mit Sensibilität und Akkuratesse um, spannungsvoll und mit Sinn fürs Detail.

siehe Kritik "Joseph von Haydn: Die Schöpfung"

siehe Kritik "Liederatur: Balladen und Romanzen"

siehe Kritik "Louis Spohr: Die letzten Dinge"

siehe Bericht "Gedenktag zum 100. Geburtstag von Professor Karl Hermann Mäder"

siehe Kritik "Liederatur: Mond im Mai"