Oratorienverein Plochingen

e.V. 1922

Herbstkonzert 2012 Gioacchino Rossini: Petite Messe solennelle

Stimmen auf sicherer Spur

 VON RAINER KELLMAYER

„Ich habe mit Dissonanzen nicht ge­spart, aber ich habe auch etwas Zu­cker verwendet" soll sich Gioachino Rossini selbstironisch über seine „Pe­tite Messe solennelle" geäußert ha­ben. Damit traf er den Punkt: In sei­nem Spätwerk aus dem Jahr 1863 lugt hinter jeder Note die Opera buf­fa hervor, mit der Rossinis Oeuvre untrennbar verbunden ist. Dieser in jeder Hinsicht besonderen Messe widmete sich der Oratorienverein Plochingen am Samstag in der gut besetzten Katholischen Kirche St. Konrad.

Für Rossinis Humor spricht auch, dass er die 90-minütige Messe als „petite" bezeichnete, obwohl er sich den Teilen des Mess-Ordinariums sehr ausgiebig widmete. Eine weite­re Besonderheit ist die instrumenta­le Besetzung mit Klavier und Har­monium, die dem Ganzen eine indi­viduelle, zuweilen salonhafte klang­liche Note gibt. Damit bewegt sich die Messe im Spannungsfeld zwi­schen einer heiteren, schwebenden Sphäre und dramatischen Momen­ten, die oft unvermittelt zum Aus­bruch kommen.

Schon beim gewaltigen Anschwellen des Chorklanges aus dem Piano des „Kyrie" merkte man, dass Chorlei­terin Heidrun Speck ihre Sängerin­nen und Sänger gut auf die schwie­rigen Aufgaben vorbereitet hatte. In den gewaltigen Schlussfugen von Gloria und Credo blieben die Stim­men auf sicherer Spur, und ange­sichts der frisch agierenden, stets prä­senten Sängerphalanx verzieh man kleine Unebenheiten zu Beginn des „Et resurrexit" und das gelegentli­che Absinken der Intonation in den A-cappella-Partien gerne. Was zähl­te, war die Homogenität des Chor­klanges, die feine dynamische Staf­felung und die Aufmerksamkeit, mit der die Sängerschar dirigentische Im­pulse umsetzte. Der Chor des Oratorienvereins und die Instrumenta­listen Kerstin Mörk (Klavier) und Se­verin Zöhrer (Harmonium) beweg­ten sich in einer gut austarierten Ba­lance: Der Chorklang wirkte nie for­ciert, konnte sich über dem instru­mentalen Teppich frei entfalten. Bei der Auswahl der Solisten, die ei­nen wesentlichen Teil der Auffüh­rung trugen, hatte Heidrun Speck ei­ne glückliche Hand. Allen voran überzeugten Alois Riedel, der die Arie „Domine Deus" bei aller teno­ralen Strahlkraft mit wandlungsfähigem Timbre gestaltete und Fanie An­tonelou. In schlichter Schönheit brachte die Sopranistin das „Cruci­fixus" zum Leuchten und schwang sich im „O salutaris" zu frei schwe­benden Höhenlagen empor. Bassist Bernhard Springler zelebrierte das „Quoniam" mit mächtiger Stimme, während Alexandra Paulmichl mit ihrem dunkel gefärbten Alt deni „Agnus Dei" Spannkraft verlieh. In den Ensemblepartien fanden die So­listen zu ausgewogenem Klang und präziser Textausdeutung.

aus Esslinger Zeitung 29.10.2012