Oratorienverein Plochingen

e.V. 1922

PLOCHINGEN: Oratorienverein führt Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas" in der Stadthalle auf. Chor setzt dramatische Akzente

 

Bericht aus der Esslinger Zeitung 27.10.2014

VON RAINER KELLMAYER 

Herz oder Krone, Liebe oder Pflicht — das sind die zentralen Themen in Henry Purcells Oper „Dido und Ae­neas", die der Oratorienverein Plo­chingen in der Stadthalle konzertant aufgeführt hat.

Purcells 1689 entstandenes Werk gilt als Maßstab für den musiktheatrali­schen Fantasiereichtum des Barock. Mit konzentrierter Intensität schildert die Musik das tragische Geschehen in Virgils klassischem Werk. Die Ge­schichte von Dido und Aeneas ist gleichsam ein Gleichnis für den er­barmungslosen Kampf mit Verbün­deten, Feinden und letztlich auch mit sich selbst. Aeneas, Überlebender der Zerstörung Trojas, hat den göttlichen Auftrag zur Gründung einer neuen Stadt in Italien erhalten. Bei einer Zwischenstation in Karthago verliebt er sich in die phönizische Prinzessin Dido, die ihren einst geleisteten Eid vergisst, nach dem Tod des Gatten der Männerwelt abzuschwören. Da­bei gerät sie in das Fadenkreuz einer Zauberin. Hexen und Geister wollen sie vom rechten Weg abbringen. Doch die neu entfachte Liebe zu Aeneas ist nicht von Dauer: Nach der ersten Lie­besnacht reist der Held weiter. Dido ist von Schmerzen zerrissen und stirbt an gebrochenem Herzen.

Die Dramatik des Geschehens kam bei der Plochinger Aufführung bes­tens zur Geltung. Der Chor wuchs weit über seine kommentierende Rolle hinaus, schaltete sich gelegent­lich in die Handlung ein und setzte immer wieder dramatische Akzente. Dabei wirkten die Aktionen nie for­ciert, stets blieben die Choristen dem edlen und transparenten Klangideal treu. Man spürte, dass Chorleiterin Heidrun Speck in den vorbereitenden Proben ihren Chor bis ins Detail fit gemacht hatte.

Die in reiner Streicherbesetzung spielende, von Konzertmeister Mathias Neundorf angeführte Sinfonia 02 be­gleitete zuverlässig und klangschön. Tragende Rollen waren den Gesangs­solisten zugewiesen, allen voran der Sopranistin Maria Palaska, die mit strahlendem Organ den Part der Dido ausfüllte. Schlank in der Tongebung präsentierte sich hingegen Georg Kalmbach (Tenor) als Aeneas.

Die weiteren Rollen waren mit Fanny Antonelu, Eva Kleinheins, Carolin Strecker, Svenja Grotz, und Marie­Val6rie Track (Sopran) sowie dem Tenor Jopanjo Holzwarth adäquat besetzt. Für besondere Farbtupfer sorgte das Ballett der Musikschule Plochingen. Ob beim Siegestanz, dem Tanz der Furien oder einem Matro­sentanz — stets zeigten sich die von Ballettmeisterin Irena Trisic betreu­ten Elevinnen tänzerisch diszipliniert und in graziler Anmut.

Eingangs erklang mit der „Ode an St. Cecilias Day" ein weiteres Werk Henry Purcells. Im England des 17. Jahrhunderts war es Brauch, der hei­ligen Cecilia, Schutzpatronin der Mu­sik, mit einem besonderen Fest zu Gedenken. Verschiedene Komponis­ten schrieben Musik zu den jährlichen Anlässen, so auch Henry Purcell, des­sen vierte und letzte Cecilien-Ode aus dem Jahr 1692 in Plochingen erklang. Diese Musik voller Feierlichkeit und Opulenz wurden vom gut disponier­ten Oratorienverein und der durch hervorragende Trompeten und Oboen ergänzte Sinfonia 02 strahlend. umgesetzt. Das harmonische, stimm­lich ausgeglichen agierende Solisten­ensemble wurde bereichert durch Christian Adolph und Kian Jazdi (Ba­riton).