Oratorienverein Plochingen

e.V. 1922

Poesie der Psalmen

von Christof Kress

Dem Oratorienverein Plochingen ist es in seinem Herbstkonzert mit dem Orchester Sinfonia 02 am 29. Oktober in der katholischen Kirche St. Konrad gelungen Text, Klang und Raum wirkungsvoll zu vereinen und die Bilder der Psalmen neu anzuregen. Psalmen sind die Poesiesammlung der Bibel, sie beeindrucken durch ihre bildreiche Sprache und regen die Gedanken und Gefühle an. Umso mehr, wenn Sie zusätzlich von großartigen Künstlern gemalt oder vertont und im richtigen Rahmen vorgetragen werden. Chorleiterin Heidrun Speck hatte die Konzertbesucher vorab zu einer Konzerteinführung eingeladen, die ebenso wie das anschließende Konzert in der Kirche sehr gut besucht war. Schon beim ersten Stück des Abends dem Lobgesang "Meine Seele ist stille", den Fanny Hensel ihrem Sohn zum ersten Geburtstag als musikalisches Geschenk vermachte, zeigte der Chor, dass er den Text der Kantate verstanden und verinnerlicht hatte. Die Angst aber auch die Freude bei der Geburt des Kindes brachte Sophie Sauter, als Solistin des Konzerts, mit ihrer ausdrucksstarken Stimmen eindrücklich zur Geltung. Die Veröffentlichung des Gesamtwerkes von Fanny Hensel ist mit der Verdienst des Furoreverlags,, der ausschließlich Werke von Komponistinnen im Programm hat. Aus diesem Programm spielte das Orchester Sinfonia 02 unter Leitung von Mathias Neundorf, die Ouvertüre in C, die Fanny Hensel im Alter von 27 Jahren komponiert hat. Von ihrem wesentlich bekannteren Bruder Felix Mendelsohn Bartholdy sangen anschließend Chor und Solistin gemeinsam die Hymne "Hör mein Bitten, Herr neige dich zu mir", Psalm 55. Die Ängste und Sorgen eines Alleingelassenen, innig und zugleich klagend vorgetragen von Sophie Sauter, wiederholte und bestätigte der Chor vielstimmig und kraftvoll unter der Führung von Heidrun Speck. Für jeden gut nachvollziehbar und von den Sängern entsprechend mitfühlend vorgetragen folgte der abschließende Wunschtraum "O könnt`ich fliegen wie Tauben dahin". Das vorletzte Stück, auf das der Chor sich sichtlich gefreut hatte, war der Psalm 42, "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser", bei dem alle Sangesstimmen und die Orchesterinstrumente zum Einsatz kamen. In den sieben musikalisch vielseitigen Sätzen konnte Chor und Orchester nochmals zeigen, dass sie sehr gut vorbereitet waren. Die vier jungen Solisten Daniel Schmid, Valentin Bauer, Dominik Hofmann und Marius Sauter hatten in einem Quintett zusammen mit Sophie Sauter einen der eindrucksvollsten Teile zu singen und brachten Zuhörer wie Chor ins Schwärmen. Auf den majestätischen Lobpreis im hoffnungsvollen Schlusschor ließ Heidrun Speck fast nahtlos die bekannte Choralkantate "Verleih uns Frieden" folgen, mit der das gelungene Konzert beendet wurde. Der Chor erinnerte damit auch an den Beginn seines erfolgreichen Konzertjahrs mit den beiden Konzerten unter dem Thema " Dona nobis pacem" in Altbach und Reichenbach.